(kleine Variation zum Thema Mut 😉)
Ich sollte abends einen Vortrag halten und wollte nachmittags noch etwas trainieren.
Ich war vor paar Wochen in Bielefeld – und ich mach jetzt auch kein Witz über die Stadt. Die gibt es wirklich und die ist auch richtig schön.
Das Wetter war schön, also bin ich einfach von meinem Hotel in Richtung eines kleinen Parks los gelaufen. Schnell durfte ich feststellen, dass das gar kein Park , sondern eher ein kleines Wäldchens war und nach weiteren 3 Minuten wurde aus dem Wäldchen ein ausgewachsener Wald. Und jetzt war ich mir plötzlich gar nicht mehr sicher: „Was mache ich? Traue ich mich jetzt wirklich weiter in den Wald hinein zu laufen oder drehe ich besser um?“
🤦🏻♂️ Unglaublich was einem in solchen Momenten alles durch den Kopf schießt:
„Was passiert, wenn ich mich verlaufe?“ Denn ich bin tatsächlich ohne Handy losgelaufen. Ich habe keine Apple-Uhr. Und wer nimmt um 14:00 schon eine Lauflampe mit?
„Nicht, dass das sich dieser Wald plötzlich als das größte zusammenhängende Waldgebiet Ostwestfalens entpuppt? Wo bekomme ich dann Wasser her? Wo würde ich aus dem Wald wieder herauskommen? Verstehen mich die Menschen, wenn ich nach dort dem Weg fragen müsste?“
😇 Und da wurde mir plötzlich sehr klar: wir sind einfach nicht mehr richtig mutig. Heutzutage, überlegen wir fünf Mal, ob wir etwas Neues wagen oder uns trauen in fremdes Terrain abzubiegen. Seien wir ehrlich, heutzutage gilt man doch schon als mutig, wenn man morgens um acht seine Wohnung oder Haus mit einem Handy verlässt dessen Akku nur noch 28 % hat.
Leute, wir waren doch mal anders?! Überlegt mal! Früher da waren wir mutig. Früher da haben wir Nachtwanderung gemacht – nachts. Wenn ich das meiner Tochter erzähle, dann schaut die mich mit großen Augen an: „Wie im Dunkeln? Ohne Handy, Smartphone und Taschenlampe?“ „Ja nur mit Fackeln!“ „Wie, Ihr hattet schon Feuer?“ (Ok, dass mit dem Feuer bespreche ich noch einmal…)
🏃🏻♂️Zurück zu meinem Bielefeld Erlebnis. Ich hab mich an mein mutiges Ich erinnert und mich für den Lauf mitten in das Herz des Waldes entschieden. Ja, ich hab mich fürs Abenteuer entschieden. Voller Adrenalin habe ich mir in meinen Kopf ausgemalt, wie ich gleich auf den Bäumen nach Moosflechten Ausschau halte, um so die Himmelsrichtung zu bestimmen. Ich habe mich erinnert, wie man mit Blättern Regenwasser auffangen kann, umso Trinkwasser zu erhalten und ich bin losgelaufen.
Was soll ich sagen? 200m weiter, an der nächsten Wegkreuzung, stand dann eine 2 x 3m große Tafel mit allen Lauf- und Wanderwegen inkl. aller Höhenmeter.
Und da dachte ich mir, was soll denn passieren? In Deutschland ist sogar der Wald organisiert und im Notfall rufe ich ganz laut nach dem ADAC. Die werden mich schon abholen … ✌️